Ein Kapitel Stadtgeschichte wird weitergeschrieben: Arealentwicklung Gleis 11 in Solothurn
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So präsentierte sich das Gewerbeareal mit dem Druckereigebäude im Jahr 1969. [Archivbild Comet Photo AG]
Mit der Arealentwicklung «Gleis 11» entsteht an zentraler Lage beim Bahnhof Solothurn ein neuer urbaner Quartierbaustein mit Wohnen, Arbeiten und öffentlichen Freiräumen. Naef & Partner begleitet die Eigentümerschaft als Bauherrenvertreterin durch den Entwicklungsprozess eines historisch geprägten Medien- und Druckereiareals, das Schritt für Schritt in eine neue Zukunft überführt wird.
Transformation eines ehemaligen Druckerei- und Medienareals beim Bahnhof Solothurn
Das Areal an der Zuchwilerstrasse 21–23 steht seit Jahrzehnten für Journalismus, Druckerei und Medienproduktion. Hier wurde Geschichte geschrieben, gedruckt und verbreitet. Lange stand die alte Druckerei leer und der Ort wartete im Dornröschenschlaf auf sein nächstes Kapitel. Jetzt wird es konkretisiert: Mit dem Projekt «Gleis 11» wächst rund um den Bahnhof Solothurn ein neuer urbaner Quartierbaustein mit Wohnungen, Gewerbenutzungen und öffentlichen Freiräumen.
Das Areal an der Zuchwilerstrasse im städtischen Kontext: Die Nähe zum Bahnhof Solothurn macht den Standort besonders attraktiv. [Plandarstellung Marianne Schmollgruber]
Neue Perspektiven für das Medien- und Druckereiareal in Solothurn
Das Areal Gleis 11 war seit den 1920er-Jahren dicht bebaut und gemischt genutzt. Seit 1988 beherbergt es mit der Solothurner Zeitung eine wichtige Grösse des städtischen Lebens in Solothurn. Mit dem Strukturwandel der Medienbranche verlor der Standort jedoch zunehmend an Bedeutung. Nach der Verlagerung des Drucks im Jahr 2006 stand das Druckereigebäude fast zwei Jahrzehnte leer, bis es schliesslich als Kulturlokal und Club genutzt wurde. Das Verlagshaus wird weiterhin genutzt, entspricht jedoch baulich nicht mehr den heutigen Anforderungen.
Luftbild mit dem Verlagshaus (links) und der Druckerei (rechts). [Foto Ivo Scholz Fotografie]
Die vom Solothurner Medienunternehmen Vogt-Schild errichteten Liegenschaften gingen später mit dem Mediengeschäft zunächst an die AZ Medien AG und in der Folge an die CH Media Gruppe über. 2020 wurde das Areal in die AZ Medienhaus AG überführt, mit dem Ziel, eine neue städtebauliche Perspektive zu entwickeln. Der Anspruch war von Beginn an klar: Die Geschichte des Ortes sollte nicht ausgelöscht, sondern weitergeschrieben werden.
Impression aus der leerstehenden Druckerei. [Foto Naef & Partner]
Wie aus einer Industriebrache eine langfristige Stadtvision entstand
Im Zentrum der frühen Überlegungen stand die Rolle des Areals für Stadt und Quartier. Entstehen sollte ein Ort, der sich selbstverständlich in das städtische Gefüge einfügt und gleichzeitig neue Impulse setzt. Aus dieser Haltung heraus entstand eine Entwicklungsvision, die nicht auf kurzfristige Optimierung ausgerichtet ist, sondern auf langfristige Qualität.
Der Weg von der Vision zur belastbaren Grundlage erfolgte in einem strukturierten Prozess. Ausgangspunkt bildete 2024 eine Machbarkeitsstudie, in der das Potenzial des Areals unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht wurde – von Klima und Lärm bis hin zu Mobilität und sozialem Kontext. Darauf aufbauend wurden Zielgruppen definiert, Nutzungen für Wohnen, Gewerbe und quartierbezogene Angebote festgelegt sowie konkrete Anforderungen an die Arealentwicklung formuliert. In einem Studienauftrag erarbeiteten schliesslich sechs interdisziplinäre Teams Vorschläge für die zukünftige Bebauung. Architektur und Landschaft wurden dabei bewusst zusammen gedacht.
«Mit dem Gleis 11 wollen wir einen Ort entwickeln, der mehr ist als ein Neubauprojekt. Uns ging es von Anfang an darum, die Geschichte des Areals weiterzuschreiben und einen lebendigen Quartierbaustein zu schaffen, der Wohnen, Arbeiten und Begegnung selbstverständlich verbindet – offen, nachhaltig und eingebettet in die Stadt Solothurn.»
Florian WannerDelegierter des Verwaltungsrats der AZ Medienhaus AG [Foto AZ Medienhaus AG]
Im Austausch mit der Stadt und dem Kanton entstand so Schritt für Schritt ein gemeinsames Verständnis dafür, wie sich das Areal entwickeln kann, und welche Qualitäten dabei im Zentrum stehen sollen.
Wie das Siegerprojekt Bestand und Neubau verbindet
Die Jury entschied sich Ende 2025 mit dem Beitrag von EM2N AG und Haag Landschaftsarchitektur GmbH für ein Projekt, das Bestehendes und Neues klar und präzise zusammenführt. Zwei Gebäude prägen das Areal: Die umgenutzte und aufgestockte ehemalige Druckerei sowie ein neues, U-förmiges Wohnhaus entlang der Gleise. Alt und Neu stehen nicht im Gegensatz, sondern ergänzen sich. Die bestehende Struktur bleibt erhalten und wird weitergebaut, während der Neubau neue Wohnformen und Nutzungen ermöglicht.
Aufgestockte alte Druckerei und Neubau im Dialog: Visualisierung des Siegerprojekts. [Visualisierung EM2N AG]
„Das Projekt überzeugt durch eine sehr klare, einfach lesbare städtebauliche Grundfigur und präzise zugewiesene Aussenräume. Diese bieten nicht nur den Bewohnenden, sondern auch dem Quartier, der Stadt und dem Klima einen Mehrwert.“
(Jurybericht Studienauftrag)
Nachhaltigkeit, Schwammstadt und soziale Vielfalt als Leitidee
Ein zentrales Element der Entwicklung liegt im bewussten Umgang mit Ressourcen und Kontext. Der Erhalt der bestehenden Druckerei bewahrt nicht nur ein Stück Geschichte, sondern reduziert auch den Einsatz neuer Materialien.
Die ehemalige Druckerei ist ein prägender Bestandteil des Areals, der erhalten und weiterentwickelt wird. [Foto Naef & Partner]
Freiräume, Grünräume und klimaangepasste Aufenthaltsbereiche werden nicht als Restflächen verstanden, sondern als tragendes Element der Quartierentwicklung: Grosse Bäume, durchlässige Böden und das Prinzip der Schwammstadt tragen dazu bei, das Mikroklima zu verbessern und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.
Gleichzeitig schafft das Projekt soziale Vielfalt: unterschiedliche Wohnungstypen, gemeinschaftliche Angebote und Nutzungen für das Quartier ermöglichen ein breites Spektrum an Lebensentwürfen.
Bäume, Grün und durchlässige Böden: Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil von Geis 11. [Visualisierung EM2N AG]
Bauherrenvertretung und Prozesssteuerung in einer komplexen Arealentwicklung
Die Entwicklung eines solchen Areals ist von zahlreichen Abhängigkeiten geprägt. Unterschiedliche Interessen, planerische Anforderungen und zeitliche Abläufe müssen aufeinander abgestimmt werden. In dieser Konstellation übernimmt die Bauherrenvertretung die Aufgabe, den Prozess zu strukturieren, zu koordinieren und die Qualität über alle Phasen hinweg zu sichern als Rahmen, in dem sich die Entwicklung schrittweise konkretisieren kann.
«Die Arealentwicklung Gleis 11 ist komplex und langfristig angelegt. Umso wichtiger war für uns eine strukturierte, vorausschauende Begleitung. Naef & Partner hat uns im gesamten Prozess als Bauherrenvertreterin unterstützt – mit einem klaren Blick für Qualität, für das Machbare und für die Schnittstellen zwischen Eigentümerschaft, Planung und öffentlicher Hand.»
Dominic Preisig-ZehnderGeschäftsführer AZ Medienhaus AG [Foto AZ Medienhaus AG]
Die Geschichte wird weitergeschrieben: Weiterentwicklung des Quartiers rund um den Bahnhof Solothurn
Mit dem Gleis 11 entsteht nicht nur ein neues Gebäudeensemble, sondern ein Ort, der das Quartier ergänzt und und in die Zukunft führt. Angebote des täglichen Lebens, Aufenthaltsräume und neue Wohnformen schaffen eine Verbindung zwischen privatem und öffentlichem Raum.
Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie sich ein historisch geprägter Standort weiterentwickeln lässt, ohne seine Identität zu verlieren. Transformation wird hier nicht als Bruch verstanden, sondern als Weiterführung.
So soll sich das Projekt Gleis 11 künftig ins Quartier einfügen. [Visualisierung EM2N AG]
Bis zur Realisierung sind noch mehrere Schritte notwendig, vom soeben erstellten Richtprojekt über den Gestaltungsplan bis zur Ausführungsplanung. Der Baustart ist frühestens ab 2028 vorgesehen. Bereits heute zeichnet sich die künftige Entwicklung ab. Aus einem lange funktional geprägten Standort entsteht ein zeitgemässer Ort, der in die Stadt hineinwirkt und neue Qualitäten für das Quartier schafft.