Naef & Partner Logo

Männedorf, Joggenrainweg

Ein Bauernhof wird zum Zuhause für mehrere Generationen: Gemeinschaftliches Wohnen am Joggenrainweg in Männedorf

  • Privatpersonen
  • Wohnen
  • Gewerbe / Industrie
  • Submissionen
  • Vertragsmanagement
  • Örtliche Bauleitung
  • Kostenkontrolle
  • Termincontrolling
  • Projektbezogenes Qualitätsmanagement
  • Garantiemanagement
Das neue Wohnensemble am Joggenrainweg in Männedorf, eingebettet in die Hanglage über dem Zürichsee. [Foto BFB Architekten AG]

Am Joggenrainweg in Männedorf ergänzen zwei neue Baukörper in Holzbauweise ein 350 Jahre altes Bauernhaus zu einem Wohnensemble. Ein Innenhof und der Laubengang verbinden die drei Wohneinheiten und schaffen gemeinschaftliche Aussenräume, ohne die Privatsphäre der Bewohnenden zu beeinträchtigen. Naef & Partner begleitete die Realisierung als Baumanagement mit örtlicher Bauleitung.

Ein Hof am Hang, zwischen Tobel und Wald

Wenn man in Männedorf den Joggenrainweg hinaufgeht, öffnet sich einem auf der Höhe der Glärnischstrasse der Blick auf ein altes Bauernhaus mit angebautem Schopf in dunklem Holz. Seit über drei Jahrhunderten prägt es diesen Ort. Heute steht es nicht mehr allein: Zwei neue, flach geneigte Baukörper schmiegen sich an den Hang und bilden gemeinsam mit dem historischen Kern ein neues Wohnensemble. Aus dem einstigen Bauernhof ist ein Zuhause für mehrere Generationen geworden.

Das historische Bauernhaus und die neuen Baukörper bilden heute ein gemeinsames Ensemble. [Foto BFB Architekten AG]

Ein 350 Jahre altes Bauernhaus als Ausgangspunkt

Das Bauernhaus am Joggenrainweg ist seit Generationen im Besitz der Familie Zollinger. Mit dem Übergang an die nächste Generation stellte sich die Frage, wie das Grundstück künftig genutzt werden soll. Die Option, das Bauernhaus abzureissen und durch einen Neubau zu ersetzen, kam nicht in Frage. Die Familie entschied sich für einen anderen Weg: den bestehenden Hof zu erhalten und ihn gleichzeitig zur Grundlage eines neuen, gemeinschaftlich genutzten Wohnensembles für mehrere Generationen zu machen.

Städtebauliche Situation am Joggenrainweg: Die beiden neuen Baukörper (eingefärbt) ergänzen das historische Bauernhaus zu einem Gesamtensemble. [Plandarstellung Marianne Schmollgruber]

Gemeinschaft und Privatheit im Gleichgewicht

Die eigentliche Herausforderung des Projekts lag jedoch nicht allein in der Grösse der Aufgabe, sondern in ihrer Feinheit. Ein Ort für mehrere Generationen zu schaffen bedeutet, Nähe zu ermöglichen, ohne sie aufzuzwingen. Die Hanglage des Grundstücks, die unmittelbare Nachbarschaft zu Tobel und Wald sowie der Anspruch, den Charakter eines Bauernhofs mit Nutzgärten, Erholungs- und Spielflächen weiterzuführen, bildeten den Rahmen für ein Wohnkonzept, das gemeinschaftliches Leben und individuelle Rückzugsmöglichkeiten gleichermassen ernst nimmt.

Die Eigentümerfamilie.

«Gemeinsam mit unseren vier Kindern suchten wir eine Lösung, das zum Bauernhaus gehörende Grundstück so zu bebauen, dass es später gut aufgeteilt und bei Bedarf gemeinschaftlich genutzt werden kann. Wir waren uns einig, dass das Projekt von BFB Architekten AG unsere Vorstellungen am besten umsetzte.»

Hans und Hannah ZollingerEigentümerfamilie [Foto Bauherrschaft]

Ein Konkurrenzverfahren für den passenden Entwurf

2021 ging BFB Architekten AG mit ihrem Projekt als Siegerin aus dem Studienauftrag hervor. Ihr Konzept ergänzt das Bauernhaus um zwei neue, flach geneigte Baukörper, die den historischen Hof umrahmen, ohne ihn zu dominieren. Kleinteilige Gebäudeeinheiten fügen sich in die Topografie des Hangs und in die ortsbaulichen Gegebenheiten ein; ein Laubengangsystem verbindet sie miteinander, bietet Witterungsschutz und schafft gleichzeitig einen geschützten, gemeinschaftlich nutzbaren Aussenbereich Richtung Innenhof. Talseitig öffnen grosszügige Fensterflächen die Wohn- und Essbereiche zum Licht und zur Landschaft, während schmalere, hohe Fenster im Schlafbereich hinter den Laubengängen mehr Privatsphäre gewähren. Das Prinzip des «Durchwohnens» – der fliessende Bezug zwischen Innenraum und Aussenraum – überträgt den offenen Charakter des ursprünglichen Bauernhofs in eine zeitgemässe Wohnform.

Der Laubengang prägt die Fassade der Neubauten und verbindet die Wohnungen, ohne die Privatsphäre der einzelnen Einheiten zu beeinträchtigen. [Foto BFB Architekten AG]
Andreas Hertig, Partner und Vorsitzender der Geschäftsleitung von BFB Architekten AG.

»Das Ensemble versteht sich nicht als klassische Wohnüberbauung, sondern als Weiterentwicklung eines Hofs. Gemeinschaft, Freiräume und die Einbettung in die Landschaft waren von Beginn an zentrale Entwurfsthemen.»

Andreas HertigPartner und Vorsitzender der Geschäftsleitung von BFB Architekten AG. [Foto BFB Architekten AG]

Vom Rückbau des Nebengebäudes zum Holzbau-Ensemble

Nach erfolgter Projektierung und Baueingabe wurde die Baubewilligung Ende 2024 erteilt. Sichtbarer Startpunkt der Realisierung war der Rückbau des bestehenden Nebengebäudes: ein Moment, der den Übergang von der Planung zur Ausführung markierte. Die beiden Neubauten entstehen in traditioneller Holzbauweise: Auf einem betonierten Untergeschoss beziehungsweise, im Nordteil, auf dem in den Hang ragenden betonierten Erdgeschoss wird der Holzbau errichtet, mit sichtbaren Balkendecken, einer prägenden Laubengangstruktur und einer schlichten, durch Lisenen und Gesimse gegliederten Holzfassade. Für die Bauausführung bedeutete das eine Konstruktion, die konstruktiv wie gestalterisch hohe Präzision verlangte. Dies nicht zuletzt, weil sie in unmittelbarer Nachbarschaft zum altehrwürdigen Bestand und auf einem anspruchsvollen Hanggrundstück realisiert wurde.

Die vorgefertigten Holzbauelemente werden vor Ort eingehoben und montiert – sichtbarer Ausdruck der hohen Präzision in der Bauausführung. [Foto BFB Architekten AG]

Bauleitung mit Blick für das Ganze

Für die Realisierungsphase übernahm Naef & Partner das Baumanagement, im Zentrum stand die örtliche Bauleitung. Die Aufgabe bestand darin, die zahlreichen an Planung und Ausführung beteiligten Fachplanerinnen und Fachplaner sowie Unternehmer zu koordinieren, Termine und Qualität laufend zu sichern und die Kosten unterstützend zu begleiten: von den Ausschreibungen und Vergaben über die Bauausführung bis zur Abnahme und Baudokumentation. Besonders anspruchsvoll war die Koordination der Holzbauarbeiten mit ihren hohen gestalterischen Anforderungen sowie das Zusammenspiel der vielen Gewerke auf der beengten Baustelle am Hang. In enger Abstimmung mit der Architektur sorgte Naef & Partner dafür, dass die gestalterischen Ansprüche des Projekts auch in der Ausführung bis zur Übergabe des Ensembles an die Familie Zollinger Bestand hatten.

Auf der Baustelle am Hang mussten zahlreiche Gewerke koordiniert werden, von den Holzbauarbeiten bis zum Innenausbau. [Foto BFB Architekten AG]

Ein Zuhause für mehrere Generationen

Entstanden ist ein Wohnensemble, das mehreren Familien ein gemeinsames Zuhause bietet, ohne den Einzelnen ihre Eigenständigkeit zu nehmen. Die Laubengänge und der gemeinschaftliche Innenhof laden zur Begegnung ein, während die klare Wohnungsstruktur mit zentralem Entrée jeder Einheit ihren eigenen Rückzugsort sichert. Nutzgärten, Erholungs- und Spielflächen führen die landwirtschaftliche Prägung des Ortes weiter, und die Nähe zu Tobel und Wald bleibt Teil des Alltags. So ist aus dem einstigen Bauernhof eine zeitgemässe Überbauung geworden, die gemeinschaftliches Wohnen und individuelle Lebensentwürfe gleichermassen ermöglicht.

Der offene Wohn-Essbereich mit Küche steht exemplarisch für das «Durchwohnen» und den engen Bezug zwischen Innen- und Aussenraum. [Foto BFB Architekten AG]

Eine Geschichte, die weiterwohnt

Mit dem Abschluss der Bauarbeiten 2025 ist die eigentliche Geschichte des Ortes nicht zu Ende, sondern tritt in ein neues Kapitel ein. Das Bauernhaus, das über drei Jahrhunderte den Takt des Hofs vorgab, bildet weiterhin das Zentrum des Ensembles. Nun ist es umgeben von zwei Neubauten, die seinen Charakter aufnehmen, statt ihn zu verdrängen. Am Joggenrainweg in Männedorf zeigt sich so, wie sich Gemeinschaft und Privatheit auf einem gewachsenen Grundstück neu austarieren lassen: Ein Bauernhof wird zum Zuhause für mehrere Generationen. Und bleibt doch, was er immer war.

Alt und Neu im Zusammenspiel: Das Bauernhaus bleibt sichtbarer Mittelpunkt des neuen Wohnensembles am Joggenrainweg. [Foto BFB Architekten AG]

August 2026