Vom Bauunternehmen zur Forschungsförderung: Geschäftsführung und Portfoliomanagement für die Albert Lück-Stiftung
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Blick von der Zürcher Innenstadt über das Central zum Zürichberg; im Hintergrund das Hauptgebäude der ETH Zürich. [Ivo Scholz Fotografie]
Die Albert Lück-Stiftung in Zürich verbindet ein historisch gewachsenes Immobilienvermögen mit einem klaren Förderauftrag: Die Erträge des Stiftungsvermögens ermöglichen Beiträge an Lehre, Forschung und Studium auf dem Gebiet des Bauwesens an der ETH Zürich. Naef & Partner unterstützt die Stiftung als Geschäftsstelle und übernimmt zentrale Aufgaben in der operativen Führung der Stiftung, im Portfoliomanagement, im Finanz- und Rechnungswesen sowie bei der Begleitung von Bau- und Entwicklungsprojekten.
Immobilienerträge für Forschung und Lehre
Die wirtschaftliche Grundlage der Stiftung bildet ihr Immobilienportfolio. Die Erträge stehen für die Erfüllung des Stiftungszwecks zur Verfügung, soweit sie nicht für die Sicherung der Ertragskraft und den langfristigen Erhalt der Vermögenssubstanz benötigt werden. Damit greifen zwei Aufgaben unmittelbar ineinander: die verantwortungsvolle Führung und Weiterentwicklung des Immobilienbestands und die Förderung des Bauwesens an der ETH Zürich.
Die Liegenschaft an der Grünhaldenstrasse in Zürich ist die Geschäftsliegenschaft im Portfolio der Stiftung. [Ivo Scholz Fotografie]
Albert Lück und der Aufbau der BAU AG
Albert Lück wurde 1887 in der Nähe von Berlin geboren. Der diplomierte Maurermeister kam in den 1920er-Jahren mit seiner Familie in die Schweiz. Im Januar 1934 gründete er zusammen mit Dr. Paul Selig und Hans Rosenberger die Bau-Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbau Zürich, kurz BAU AG. Am 3. Februar 1934 wurde die Gesellschaft ins Handelsregister eingetragen, wobei das Aktienkapital zunächst CHF 30'000 betrug.
Die BAU AG entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem bedeutenden Bauunternehmen. 1941 wurde der eigene Baubetrieb angegliedert, ab 1942 baute die Gesellschaft einen eigenen Immobilienbestand auf und richtete gleichzeitig eine Liegenschaftenverwaltung ein. Neben dem Wohnungsbau führte die BAU AG zahlreiche Industrie-, Schul-, Kirchen-, Alters-, Kranken- und Bürogebäude aus. 1951 entstanden am Letzigraben im ersten Baurecht der Stadt Zürich die ersten Hochhäuser der Stadt. In den Hochkonjunkturjahren beschäftigte die BAU AG bis zu 380 Mitarbeitende.
Albert Lück, Gründer und prägende Persönlichkeit der BAU AG und der Albert Lück-Stiftung. [Albert Lück-Stiftung]
Die Stiftung von 1957 und die schrittweise Überführung des Unternehmens
1957 wurde die Albert Lück-Stiftung gegründet und im Handelsregister eingetragen. Damit schuf Albert Lück die institutionelle Grundlage, um sein Unternehmen und dessen Vermögen langfristig in eine Stiftung zu überführen. Dieser Prozess erfolgte schrittweise und war 1974 abgeschlossen, als sich das gesamte Aktienkapital der BAU AG im Eigentum der Stiftung befand.
Der ursprüngliche Stiftungszweck war eng mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitenden verbunden. Er umfasste die Erhaltung der Stiftungsbetriebe im Interesse des Personals, soweit dies wirtschaftlich möglich war, sowie die Förderung des Personals und der Berufsausbildung im Bauwesen. 1974 war die Überführung des Unternehmens abgeschlossen: Das gesamte Aktienkapital der BAU AG von CHF 200'000 gehörte nun der Albert Lück-Stiftung.
Von der Bauunternehmung zur Förderstiftung
In den 1990er-Jahren geriet die BAU AG in eine schwere wirtschaftliche Krise. Unternehmerische Fehlentscheidungen brachten das Unternehmen 1997 an den Rand eines Konkurses. Ein neu eingesetzter Verwaltungsrat leitete daraufhin eine umfassende Sanierung ein. Während der folgenden rund zehn Jahre wurde die Unternehmensgruppe schrittweise redimensioniert, Strukturen wurden bereinigt und Vermögenswerte neu geordnet. Bis Ende 2006 gelang es, die wirtschaftliche Situation wieder zu stabilisieren.
Damit stellte sich zugleich die grundsätzliche Frage nach der Zukunft des Unternehmens. Die Albert Lück-Stiftung, die inzwischen das gesamte Aktienkapital der BAU AG hielt, entschied sich gegen eine Fortführung der operativen Bautätigkeit. Per 1. Januar 2007 wurden Unternehmen und Stiftung zusammengeführt. Das verbliebene Vermögen der BAU AG wurde vollständig auf die Albert Lück-Stiftung übertragen und die Aktiengesellschaft anschliessend liquidiert.
Mit diesem Schritt endete nach mehr als sieben Jahrzehnten die Geschichte der BAU AG als operatives Bauunternehmen. Gleichzeitig begann für die Stiftung ein neuer Abschnitt. Aus der früheren Unternehmensgruppe blieb insbesondere ein redimensioniertes Immobilienportfolio zurück, das fortan direkt von der Albert Lück-Stiftung gehalten wurde und bis heute ihre wirtschaftliche Grundlage bildet. Die Erträge dieses Vermögens ermöglichen es der Stiftung, ihren Förderauftrag langfristig zu erfüllen.
Seit der Neuordnung von 2007 konzentriert sich die Albert Lück-Stiftung auf die Förderung von Lehre, Forschung und Studium auf dem Gebiet des Bauwesens an der ETH Zürich. Damit wurde aus dem unternehmerischen Lebenswerk Albert Lücks eine eigenständige Förderstiftung, deren Immobilienvermögen bis heute die Verbindung zwischen der Geschichte der BAU AG und der Zukunft des Bauwesens herstellt.
Immobilienportfolio als langfristige wirtschaftliche Basis
Immobilien gehörten bereits früh zur wirtschaftlichen Entwicklung der BAU AG. Ende 1982 wies der Immobilienbestand einen Buchwert von rund CHF 42 Millionen auf und bestand überwiegend aus Wohnbauten. Heute umfasst das Portfolio zehn Wohnhäuser und eine Geschäftsliegenschaft. Die Investitionsstrategie ist auf langfristig regelmässige Erträge und den Erhalt der Vermögenssubstanz ausgerichtet. Wertsteigerungen stehen dabei nicht im Vordergrund; entscheidend ist die nachhaltige Ertragskraft des Portfolios als Voraussetzung für die Erfüllung des Stiftungszwecks. In den zehn Jahren nach der Neuaufstellung 2007 wurde der Verschuldungsgrad des Immobilienportfolios mehr als halbiert und auf unter 40 Prozent gesenkt, wiederum knapp 10 Jahre später, liegt die Fremdkapitalquote heute nur noch bei knapp über 10 Prozent.
Die Wohnüberbauung an der Rosenstrasse in Opfikon wurde 2009 saniert und gehört zum heutigen Immobilienportfolio der Stiftung. [Ivo Scholz Fotografie]
Eine Geschäftsstelle für die operative Führung
Während die strategische Verantwortung beim Stiftungsrat liegt, braucht es für die laufende operative Führung und die professionelle Betreuung des Immobilienvermögens gleichzeitig klare Zuständigkeiten, kontinuierliche Entscheidungsgrundlagen und eine verlässliche Umsetzung. Naef & Partner übernimmt hierfür zentrale Aufgaben der Geschäftsstelle und verbindet die kaufmännische und organisatorische Führung mit dem Portfoliomanagement, dem Finanz- und Rechnungswesen sowie der Bauherrenvertretung bei Entwicklungs- und Bauvorhaben.
Ein Kompetenzreglement schafft dabei die Grundlage für eine klare Aufgabenteilung zwischen Stiftungsrat und Geschäftsstelle. Auf Ebene des Immobilienportfolios reichen die Aufgaben von der Erarbeitung von Objekt- und Portfoliostrategien über die Steuerung der Bewirtschaftung bis zur Vorbereitung von Investitionsentscheiden und zum Kennzahlenreporting. Bei Bauvorhaben übernimmt Naef & Partner die Projektleitung Bauherr und koordiniert die beteiligten Planenden und Fachstellen.
«Mit der Geschäftsführung durch Naef & Partner wissen wir die operative Leitung unserer Stiftung in verlässlichen Händen. Ihre strukturierte Arbeitsweise und ihr Verständnis für unsere langfristigen Ziele ermöglichen es uns, die Stiftung wirkungsvoll zu führen und die Zukunft unserer Liegenschaften verantwortungsvoll zu gestalten.»
Raymond CronPräsident des Stiftungsrats, Albert Lück-Stiftung
Weiterentwicklung des Bestands
Die langfristige Sicherung der Ertragskraft verlangt, die einzelnen Liegenschaften laufend zu überprüfen und rechtzeitig weiterzuentwickeln. Für die Wohnliegenschaften an der Wehntalerstrasse in Zürich werden deshalb die künftigen Entwicklungsmöglichkeiten des Bestands untersucht und projektseitig vorbereitet. In Binningen schafft ein Quartierplanverfahren für die Liegenschaft an der Bottmingerstrasse die planungsrechtlichen Grundlagen für eine Weiterentwicklung des Grundstücks. Naef & Partner bereitet im Rahmen des Portfoliomanagements die erforderlichen Entscheide vor und begleitet die Verfahren auf Bauherrenseite.
Die Wohnliegenschaften an der Wehntalerstrasse in Zürich. [Ivo Scholz Fotografie]
Visualisierung des Richtprojekts an der Bottmingerstrasse in Binningen. [Salathé Architekten]
Was am D-BAUG aus den Mieterträgen entsteht
Die Förderung der Albert Lück-Stiftung am Departement Bau, Umwelt und Geomatik der ETH Zürich konzentriert sich heute auf mehrere langfristig ausgerichtete Engagements. Einen Schwerpunkt bildet die Professur für Dauerhaftigkeit von Werkstoffen von Prof. Dr. Ueli Angst. Seine Forschung befasst sich mit der langfristigen Leistungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit von Baustoffen und Infrastrukturbauten und verbindet dabei Fragestellungen aus Materialwissenschaft, Chemie und Bauingenieurwesen.
Ein zweites zentrales Fördergefäss ist der Albert Lück Grant. Mit diesem unterstützt die Stiftung interdisziplinäre Leuchtturmprojekte am D-BAUG, in denen Forschende über die Grenzen einzelner Fachgebiete hinweg neue Lösungsansätze für zukunftsfähige Infrastrukturen entwickeln. Der Grant schafft damit gezielt Raum für innovative Forschung zu komplexen gesellschaftlichen und baulichen Herausforderungen.
Als drittes aktuelles Engagement unterstützt die Albert Lück-Stiftung das Forschungsprojekt «From Catastrophe to Resilience» unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Farinotti. Ausgangspunkt ist die Katastrophe von Blatten im Lötschental vom Mai 2025, bei der eine gewaltige Eis- und Gesteinsmasse grosse Teile des Dorfes verschüttete. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt untersucht die zugrunde liegenden Prozesse und wertet die aussergewöhnlich umfangreichen Mess- und Beobachtungsdaten des Ereignisses aus. Ziel ist es, aus der Katastrophe Erkenntnisse für die Beurteilung künftiger Naturgefahren zu gewinnen und die Widerstandsfähigkeit von Gemeinden und Infrastrukturen im Alpenraum zu stärken.
Mit diesen drei Förderungen verbindet die Stiftung unterschiedliche Ebenen wissenschaftlicher Arbeit: den langfristigen Aufbau eines wichtigen Forschungsgebiets über eine Professur, die gezielte Förderung neuer interdisziplinärer Ansätze über den Albert Lück Grant und die unmittelbare wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer aktuellen gesellschaftlichen Herausforderung.
Diese Förderarbeit baut auf einer längeren Entwicklung auf. Seit der Neuaufstellung 2007 sind bis heute über CHF 10.5 Millionen Vergabung erfolgt. Dabei legt die Stiftung in ihrer Förderpraxis besonderes Gewicht auf die Wirkung der eingesetzten Mittel sowie auf die wissenschaftliche Qualität der unterstützten Vorhaben.
Eine Handskizze von Claudia Godigna, der Enkelin Albert Lücks, veranschaulichte 2017 den Zusammenhang zwischen Immobilienvermögen, sorgfältiger Mittelverwendung und Forschungsförderung. [Grafische Umsetzung: Pascal Sigrist]
Ein Vermächtnis mit neuer Aufgabe
Die Geschichte der Albert Lück-Stiftung ist damit keine geradlinige Fortsetzung eines Bauunternehmens, sondern eine schrittweise Transformation. Aus der 1934 gegründeten BAU AG entstand über Jahrzehnte ein Unternehmen mit eigenem Immobilienvermögen. Mit der 1957 gegründeten Stiftung schuf Albert Lück die institutionelle Grundlage, um sein Lebenswerk langfristig zu sichern. 1974 war die vollständige Überführung des Aktienkapitals in die Stiftung abgeschlossen. Seit der Neuaufstellung 2007 dient das verbliebene Immobilienvermögen als wirtschaftliche Basis für einen klar auf die ETH Zürich ausgerichteten Förderauftrag.
«Was Albert Lück 1957 angestossen hat, trägt bis heute. Ein Immobilienportfolio, das bezahlbaren Wohnraum sichert, und eine Stiftung, die mit dessen Erträgen die Zukunft des Bauwesens an der ETH mitfinanziert.»
Raymond CronPräsident des Stiftungsrats, Albert Lück-Stiftung
Diese Verbindung prägt die Stiftung bis heute: Das Immobilienportfolio wird mit langfristigem Blick geführt und weiterentwickelt, damit seine Erträge dauerhaft Beiträge an Forschung, Lehre und Studium im Bauwesen ermöglichen. Seit 2012 trägt der Hörsaal HIL E1 auf dem ETH-Campus Hönggerberg den Namen Albert Lück und erinnert damit sichtbar an den Ursprung dieser Verbindung zwischen Baupraxis und Wissenschaft.